SF-Buch der Woche 35: Weltuntergang, Dortmunds Unterwelt, verlorene Sterne

Das hatten wir hier auch nicht nicht: ein Remis, einen Gleichstand! Zwei Bücher haben je 40% der Stimmen bekommen und erhalten damit beide den Titel „SF-Buch der Woche“. Ich darf gratulieren:

Kolonie

von Ivan Ertlov

Santa Cruz de Tenerife, Kanaren: Ein junger Doktorand stößt bei seinen Forschungsarbeiten zu erdnahem Weltraumschrott auf eine Anomalie, die den spanischen Präsidentenpalast in helle Aufregung versetzt. Nikosia, Zypern: Ein Medienproduzent wird bei seiner Ankunft auf der Mittelmeerinsel vom Flughafen weg verhaftet – ohne Angabe von Gründen. Man bringt ihn an einen geheimen Militärstützpunkt und stellt ihn einer illustren Runde vor. Mossul, Irak: Die Anti-IS Koalition macht sich daran, die Millionenstadt den Händen des Kalifats zu entreißen. Doch im Gegensatz zu unserer Realität greift plötzlich eine weitere Fraktion in den Krieg ein. Eine, die niemand auf dem Radar hatte.

All diese Ereignisse sind der Auftakt zu einem rasanten Sci-Fi Abtenteuer in der Tradition großer Alternate-History Autoren wie Harris oder Turtledove – doch diesmal aus einer europäischen, orientalischen und asiatischen Perspektive geschrieben. Statt Hurra-Patriotismus gibt es eine schonungslose Abrechnung mit globalen Interessenskonflikten und eine Parabel auf die reale Kolonialzeit. Die Grenzen zwischen Freund und Feind, Gut und Böse verschwimmen immer mehr, und so manche gute Absicht endet in einer Katastrophe. Insbesondere die Gedankenwelt der Protagonisten hät unserer Gesellschaft immer wieder einen Spiegel vor – der manchmal entlarvend, und manchmal durchaus humorvoll ist.

Und doch bleibt „Kolonie“ im Kern immer noch Military Sci-Fi: Es mangelt nicht an an toughen Helden und Heldinnen, kernigen Sprüchen, epischen Schlachten und militärischer Action. Aber mit jedem weiteren Perspektivenwechsel erfährt der Leser, wie relativ Wahrheit sein kann – und wie schnell sie im Kriegsfall über die Klinge springt, wenn es der Propaganda dienlich ist.

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Archon

von Felix A. Münter

An einem nebligen Morgen taucht aus unerfindlichen Gründen ein Mann in den Bergen von Montenegro auf. Per Anhalter schlägt er sich durch – sein Weg führt ihn immer weiter nach Norden. Er spricht nicht viel. Doch das Verwunderlichste sind die Geschwüre auf seiner Haut, die sich immer weiter ausbreiten, und das seltsame Artefakt in seiner Hand, das nicht von dieser Welt zu sein scheint.
Ein Fall für Michael Hoth und seine Sektion 0, die der Sache auf den Grund gehen wollen. Die Nachforschungen führen ihn und sein Team an die Grenzen von Realität und Vorstellungskraft. Die Zweifel an der eigenen Wahrnehmung macht aus den Menschen erst die Wesen, die sie zu sein glauben. Oder ist das alles nur Einbildung? Gibt es überhaupt außerirdisches Leben? Wohin würde diese Erkenntnis führen?

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Herzlichen Glückwunsch!

In der kommenden Woche ist zum ersten Mal eine Dystopie vertreten – aber nicht „das übliche“, sondern ein Buch, das sich wirklich der Science Fiction zuordnen lässt. Ich werde ja manchmal gefragt, wonach ich die Bücher auswähle – nun, sie müssen mir gefallen (man kann aber auch SF-Titel vorschlagen). Dazu gehört auch, das sie ein annehmbares Cover besitzen und ordentlich lektoriert sind. In dieser Woche musste ich leider drei Kandidaten glatt aussortieren, weil der Blick ins Buch so viele Fehler offenbarte. Schade! Aber da sind sie, die Kandidaten (fast fehlerfrei):

UhrZeit

von Isabelle Reiff

Dortmund im Jahr 2026: Der BVB ist pleite, die Stadt verschuldet, viele Menschen sind arbeitslos. Marlene Gelfert-Zackowski hat die rettende Idee: ein Smartwatch-Programm, das jeden Menschen auf ein gelingendes Leben hin optimiert. Doch sie hat die Rechnung ohne ihren Sohn gemacht: Zusammen mit seinem Freund Flynn entdeckt Jaden, wo man die Watch manipulieren kann: in Dortmunds gefluteter Unterwelt. Die alten Stollen bergen aber noch weitere Geheimnisse, und die möchten andere lieber unentdeckt wissen …

Ein Roman über Freundschaft und das Erwachsenwerden, aber auch darüber, wie sich eine total digitalisierte Gesellschaft manipulieren und erziehen lässt.

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Atma

von Tom Friedrich

Auf der Beerdigung seiner Frau Deborah bekommt Raymond Arnett einen Brief zugesteckt. Der Verfasser ist Deborah selbst. In der skurrilen Nachricht fordert die Astrogeologin ihren Ehemann auf, die Stadt zu verlassen und mit den Kindern, Lauren und Hazel, in die Berge zu flüchten. Den Grund hierfür liefert sie allerdings nicht, weshalb Ray den Letzten Willen seiner Frau ignoriert.
Wenige Stunden später beginnt das Massensterben. Überall im Bundesstaat Colorado werden ganze Städte unter Quarantäne gestellt, die Menschen sterben wie die Fliegen, doch die Seuche lässt sich nicht eindämmen.
Während Ray in einem zunehmend entvölkerten Land um das Überleben seiner Familie kämpft, quält ihn die Frage nach dem Warum. Wie konnte Debbie die Katastrophe vorhersehen? Hängt es mit dem Mondbasis-Projekt zusammen, für das sie im Dienst der NASA tätig war? Warum hatte sie geschwiegen, wo sie doch offenbar wusste, was geschehen wird?
Doch die dringlichste Frage, der er schon bald nicht mehr aus dem Weg gehen kann, während die Welt um ihn herum zerfällt, ist: Haben wir das Unheil selbst heraufbeschworen – oder steckt etwas ganz anderes dahinter?

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Die verlorenen Sterne: Der Verräter

von Jack Campbell

Präsident Gwen Iceni und General Artur Drakon haben das Midway-System erfolgreich von der Diktatur durch die Syndikatwelten befreit. Doch den Rebellen fällt es schwer, einander zu vertrauen. Besonders nachdem ein ehemaliger Vertrauter abtrünnig geworden ist. Aber ehe sie sich dem Problem widmen können, taucht ein feindliches Alienraumschiff wie aus dem Nichts auf und verschwindet wieder. Sollten die Enigma in der Lage sein, in weitere Systeme zu springen, wären Millionen Menschen einer Invasionsflotte schutzlos ausgeliefert.

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Viel Erfolg den Autoren!

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